Das Jahr im Weingut Kistenmacher & Hengerer

Wenn aus Trauben  edle Tropfen werden sollen,
dann bedarf es sehr viel Liebe, Zuwendung und jeder Menge harter Arbeit.

Die Herausforderungen im Weingut Kistenmacher & Hengerer verteilen sich im Laufe des Jahres auf die beiden Bereiche Weinberg und Keller.

Im Weinberg muss Hans Hengerer die Grundlage für den neuen Jahrgang bereits durch den Rebschnitt legen. Im Laufe des Jahres wird das Wachstum der Reben unterstützt und kontrolliert, um letztendlich Trauben der gewünschten Qualität und Menge ernten zu können. Einen ganz entscheidenden Faktor hat Hans nicht in der Hand: das Wetter. Ob Regen oder Sonne zur rechten Zeit kommen, das liegt nicht in seiner Macht.

Im Keller wird aus den Trauben der Most erzeugt. Dieser wandelt sich anschließend durch die alkoholische Gärung in Wein. Hans und Jonathan begleiten akribisch die Vorgänge wie Gärung, Säureabbau, etc., um eventuellen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Anschließend darf der Wein reifen und wird auf die Flasche gebracht und zum Verkauf angeboten.

Was geschah im Mai & Juni 2020?

Über die Eisheiligen Mitte Mai und die Traubenblüte haben wir bereits separat berichtet. Im Mai und Juni schreitet das Wachstum der Reben sehr schnell voran, daher sind umfassende Laubarbeiten, Pflanzenschutz sowie Bodenbearbeitung angesagt.

 

Erziehungssysteme


Bevor wir auf die Laubarbeiten eingehen ein kleiner Exkurs zur Bändigung der Rebe. Diese ist ursprünglich eine wildwachsende Schlingpflanze, die erzogen werden muss, um

- ein harmonisches Verhältnis von Altholz, Fruchtholz, Blättern und Trauben

- eine optimale Belüftung der Laubwand

- eine einfache Bearbeitung der Rebanlage

zu ermöglichen.

 

Wir setzen in unserem Weingut überwiegend die Drahtrahmenerziehung mit Flachbogen ein. Der Drahtrahmen besteht aus insgesamt 7 Drähten, die über die gesamte Länge der Zeilen von Stickel zu Stickel gespannt sind. In ca. 90 cm Höhe befindet sich der untere Biegdraht. Die beim Rebschnitt übrig gelassenen Fruchtruten werden am Biegdraht befestigt. Darüber befinden sich zwei sogenannte Winddrähte in 1,5 und 2 m Höhe. Sie geben den Trieben des neuen Jahres die erste Orientierung. Zwischen dem oberen Winddraht und dem Biegedraht befinden sich zwei parallele Drahtreihen, die mit zunehmendem Wachstum nach oben verschoben werden können. Sie geben den Trieben zusätzlichen Halt.

 

Lauarbeiten

Da die neuen Triebe nicht freiwillig innerhalb der vorgegebenen Drahtanlage wachsen, müssen während der ganzen Wachstumsperiode zwischen Juni und August Laubarbeiten erfolgen. Triebe werden in die beiden parallelen Drahtreihen eingestreift und durch den Laubschnitt Blätter entfernt und überlang gewachsene Triebe gekürzt. Dadurch wird die Rebanlage besser durchlüftet, belichtet und Krankheiten wird vorgebeugt.

 


Pflanzenschutz

Mit dem Austrieb beginnt die Phase des Pflanzenschutzes. Pilzkrankheiten sowie einige saugende Insekten gefährden das Wachstum der Reben, die Qualität der Trauben und somit auch den Ertrag des Jahres. Aus Gründen des nachhaltigen Arbeitens reduzieren wir die Anzahl der Spritzungen und die ausgebrachte Menge auf ein Minimum. Darüber hinaus verwenden wir nur ausgesuchte Spritzmittel hoher Wirksamkeit sowie  geringem Schadstoffpotential. Um den optimalen Zeitpunkt für die Spritzung zu treffen, müssen wir genau die Wetterlage und die Weinberge beobachten. Die Fauna und Flora in unseren Weinbergen zeigt den Erfolg dieser Strategie.

Im folgenden sind die wesentlichen Pilzkrankheiten und Schädlinge aufgeführt:

Peronospora (Falscher Mehltau):
Eine gefährliche Pilzkrankeit, sie befällt alle grünen Teile des Rebstockes. Die Blätter und Beeren vertrocknen und es führt zu völligem Laubverlust. Ohne grünes Laub findet keine Photosynthese statt und die Rebe verhungert.

Oidium (Echter Mehltau, Äscherich):
Grauer Schimmel auf Blätter, Beeren, Triebspitzen und die Beeren verdorren. Es eintsteht eine starke geruchliche Beeinträchtigung des späteren Weines (Muffton).

Botrytis (Grauschimmel, Sauerfäule, Edelfäule):
Fluch oder Segen.
Bei frühem Befall faulen die Beeren und ganze Trauben fallen ab.
Bei spätem Befall an reifen Trauben „durchlöchert“ der Pilz die Beerenhaut. Wasser aus den Beeren verdunstet und die Beeren trocknen rosinenartig ein. Der Zuckergehalt wird stark konzentriert, das ist notwendig für hochwertige Prädikatsweine wie Beerenauslese oder Trockenbeerauslese

Schädlinge

Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm):
In der ersten Generation (Mai/Juni) Heuwurm, in der zweiten Generation (Juli/August) Sauerwurm. Der Sauerwurm verletzt unreife Beeren und führt zu früher Fäulnis. Der richtige Spritztermin mit entsprechenden Insektiziden wird durch die Intensität des Mottenfluges mit Pheromonfallen (Sexualduftstoff-Fallen) bestimmt.

Rote Spinne:
Ihre Larven saugen an den Blättern und beeinträchtigen die Assimilationsleistung (Photosynthese). Es fehlt Energie und die Rebe wird geschädigt. Die Bekämpfung findet im zunehmenden Maße biologisch durch Einsatz von Raubmilben statt.

Kräuselmilbe:
Sie ist ein saugendes Insekt und verursacht das Zurückbleiben der Triebe nach dem Austrieb. Bei mehrjährigen Befall sterben die Stöcke komplett ab.

Kirschessigfliege:
Sie stellen ein sehr großes Problem dar. Die Einwanderung aus Asien zu Beginn des 21. Jahrhunderts, führte aufgrund der Klimaverschiebung dazu, das sie sich auch in unseren Regionen dauerhaft angesiedelt haben. Sie legt Ihre Larven in reifenden Beeren ab, die Beere fault und Essigsäuren werden gebildet. Die Bekämpfung ist schwierig, da in der Reifezeit keine Spritzungen möglich ist. Somit werden die befallenen Trauben aussortiert, da ansonsten eine erhebliche Beeinträchtigung des Weines droht.

Reblaus:
Sie zerstört das Wurzelwerk. Im 19. Jahrhundert aus Amerika eingeschleppt, zerstörte sie viele Weinberge in Europa komplett. Durch Veredelung der heimischen Reben auf reblausresistente amerikanischen Unterlagsreben wurde ihr die  Nahrungsquelle entzogen und ist deshalb in Europa so gut wie ausgestorben.

Bodenbearbeitung

Bei der Bodenbearbeitung halten wir uns an die Devise „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Wir beschränken uns auf das Mulchen. Der Mulcher ist ein stabil konstruierter Rasenmäher, für den auch das Altholz des Rebschnitts kein Problem darstellt. Wir bearbeiten bei jeder Mulchperiode nur jede zweite Reihe, jeweils eine Reihe verbleibt unbearbeitet. Seit 2020 verwenden wir einen Blühstreifen-Mulcher, der in der bearbeiteten Reihe zusätzlich einen Streifen unbearbeitet zurücklässt. Dadurch kann sich über den ganzen Sommer eine gesunde Flora blühender Pflanzen ausbilden, die Insekten als Nektarlieferant dient.