Das Jahr im Weingut Kistenmacher & Hengerer

Wenn aus Trauben  edle Tropfen werden sollen,
dann bedarf es sehr viel Liebe, Zuwendung und jeder Menge harter Arbeit.

Die Herausforderungen im Weingut Kistenmacher & Hengerer verteilen sich im Laufe des Jahres auf die beiden Bereiche Weinberg und Keller.

Im Weinberg muss Hans Hengerer die Grundlage für den neuen Jahrgang bereits durch den Rebschnitt legen. Im Laufe des Jahres wird das Wachstum der Reben unterstützt und kontrolliert, um letztendlich Trauben der gewünschten Qualität und Menge ernten zu können. Einen ganz entscheidenden Faktor hat Hans nicht in der Hand: das Wetter. Ob Regen oder Sonne zur rechten Zeit kommen, das liegt nicht in seiner Macht.

Im Keller wird aus den Trauben der Most erzeugt. Dieser wandelt sich anschließend durch die alkoholische Gärung in Wein. Hans und Jonathan begleiten akribisch die Vorgänge wie Gärung, Säureabbau, etc., um eventuellen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Anschließend darf der Wein reifen und wird auf die Flasche gebracht und zum Verkauf angeboten.

Was geschah im März & April 2020?

Ruten & Biologische Düngung


Im März kommt wieder Leben in die Reben. Sie beginnen an den Schnittflächen zu bluten, da der Saft aus den Wurzeln in die Ruten befördert wird. Die Ruten werden flexibel, können nun nach unten gebogen und am Führungsdraht fixiert werden. Aus den sogenannten Augen der Ruten werden sich im April erste Knospen bilden.

 

Damit die Reben genügend Nährstoffe zur Verfügung haben, werden die Rebanlagen im März gedüngt. Da wir uns der nachhaltigen Bewirtschaftung verschrieben haben, kommen lediglich biologische Dünger zum Einsatz. So werden die im Herbst bei der Verarbeitung der Trauben in der Kelter angefallenen Trester (Stiele, Beerenhüllen) in Mieten über den Winter kompostiert und im März als Dünger ausgebracht. Diese Menge reicht nicht ganz, weshalb biologischer Dünger zugekauft werden muss.

Reben Zeile

Neue Rebanlage


Im April ist auch die Zeit, neue Rebanlagen zu pflanzen. Nach der Rodung der Altanlage darf sich der Boden zuerst für ca. 3 Jahre erholen. Erst dann wird neu bepflanzt. Angesichts der langen Lebensdauer der Reben, von zum Teil mehr als 50 Jahren, ist es eine schwierige Entscheidung, welche Rebsorte man anpflanzt. Hans geht mit seiner Entscheidung ein Risiko ein, denn niemand ist in der Lage, die Geschmäcker der Kunden in der Zukunft vorherzusehen.

Weil es eine körperlich anstrengende und langwierige, aber auch sehr schöne Arbeit war, möchte ich an dieser Stelle beschreiben, wie die Weinberge bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts angelegt wurden.

Vor dem Setzen der Reben wurde zuerst sehr aufwendig ein Schnurgerüst erstellt, um den Weinberg in geraden, möglichst parallelen Zeilen anlegen zu können. In regelmäßigen Abständen wurde in den einzelnen Zeilen an den Stellen, wo eine Rebe gepflanzt werden sollte, ein Pflanzpfahl in den Boden eingedrückt. Anschließend musste ein starker Mann mit einer Hacke unmittelbar vor dem Pfahl ein ca. 30 cm tiefes Loch ausheben. In dieses Loch wurde der Setzling eingebracht und das Loch so verfüllt, dass die Rebe ein kleines Stück aus dem Boden heraus ragte. War es sehr trocken, wurde die Rebe noch angegossen, um das Wachstum zu optimieren.

Heute kann man sich beim Anlegen einer neuen Rebanlage der Computertechnik bedienen. Anhand von GPS-Daten der Grenzpunkte berechnet ein Programm abhängig vom gewünschten Zeilen- und Stockabstand die Lage der Zeilen und die benötigte Anzahl an Reben. Über GPS wird die Setzmaschine in gerader Linie durch den zukünftigen Weinberg gesteuert, öffnet den Boden, bringt die Rebe sowie den Pflanzstock ein und verschließt den Boden wieder. Wo früher die ganze Familie und alle Helfer mehrere Tage beschäftigt waren, erledigt man dies heute mit der Maschine an einem Vormittag.

Die Rebe, die in den Weinberg eingepflanzt wird, ist eine sogenannte Pfropfrebe, d.h. auf eine Basisrebe wird eine edle Rebsorte aufgepfropft. Dies erfolgt in Rebschulen. Dort werden die Basis - die sogenannte „Amerikaner-Rebe“ mit den gewünschten Edel-Rebsorten veredelt. Diese Basisrebe ist resistent gegen die Reblaus. Durch das Aufpfropfen erhält man reblausresistente Reben, die Trauben der gewünschten hochwertigen Rebsorten hervorbringen.

 

Sind die neuen Reben gesetzt, muss die Drahtanlage, in der das wilde Wachstum der Reben in geordnete Bahnen gebracht wird, errichtet werden. In regelmäßigen Abständen werden die sogenannten Stickel in den Boden eingeschlagen.

Am Anfang und Ende einer Zeile wird ein Endstickel eingebracht, der zusätzlich durch einen Bodenanker fest mit dem Boden verankert wird und der Neuanlage halt gibt. Zwischen den Endstickeln werden nun bis zu 5 Drähte über die gesamte Länge der Zeile gespannt. Der untere dient zum Festbinden der Ruten beim Biegen, zwischen den beiden oberen parallelen Drahtreihen werden im Laufe des Jahres die gewachsenen Triebe eingefädelt.

Auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben. Früher verwendete man Holzstickel, die gegen Fäulnis im Fußbereich (Bodenverankerung) imprägniert waren. Heute gibt es unterschiedliche Varianten, wie z.B. Stahlstickel, in die die Führung für die Drähte schon bei der Produktion eingebracht wurden. Diese sind aus Schrott hergestellt und können auch wieder zu Stahl verarbeitet werden.

Die Abfüllung

Im März & April ist auch die Zeit gekommen, um die Jungweine und älteren Jahrgänge, die im laufenden Jahr 2020 verkauft werden sollen, abzufüllen. Dies erfolgt mittlerweile weitgehend automatisiert.

Nur die Bestückung der Anlage mit leeren Flaschen, die Kontrolle der Befüllung, sowie die Abnahme und Lagerung der gefüllten Flaschen erfordern noch manuellen Einsatz. Nach dem Abfüllen darf der Wein etwas zur Ruhe kommen, bevor er fertig etikettiert in den Verkauf gebracht wird.